Besinnliches zu Heiligabend u.Weihnacht

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Viele wunderschöne klassische und moderne Wintergedichte. Gedanken rund um Schnee, Eis und Kaminfeuer.
 
Weihnachtsgesang

Der Herr des Himmels sprach vom Sternenthrone:
"Erfüllt sei nun der Rat der Ewigkeit;
Auf Erden soll sich in dem Himmelssohne
Die höchste Huld enthüllen in der Zeit."

Da naht der Lenz: "O wolle mir vertrauen,
Wann er das Licht erblickt, das Gotteskind;
Ich will es legen auf die blum'gen Auen
Und fächeln mit den Lüften süß und lind."

"Die weichen Blumen sollen sich verschlingen
Zur Wiege ihm von fürstlich lichter Pracht;
In Schlummer soll der Vögel Lied ihn singen,
Der bald als schönster Frühling uns erwacht."

"Auf Erden sei der Heiland froh empfangen" -
Beginnt darauf der Sommer voller Glut -
"Wenn in dem dunklen Grün die Rosen prangen,
So weiß wie Lilien und so rot wie Blut.

Die schönsten Rosenblüten will ich pflücken,
Und winden ihm der Freude duft'gen Kranz;
Dem Friedensfürsten sollen hold sie schmücken
Das heil'ge Haupt als würd'ger Herrscherkranz."

"Wenn reich des Himmels Segen dort auf Erden -
So rief der Herbst - "in Früchten sich erfüllt,
Mag wohl der Gottessohn geboren werden,
Der aller Sehnsucht Frucht der Welt enthüllt."

"Ich biete ihm das reine Gold der Ähren,
Kredenze ihm der Trauben Purpurmost;
Denn dankbar freudig soll die Erde nähren
Den Himmelsgast mit ihrer besten Kost."

Noch spricht der Herr kein Wort, er scheint zu sehen,
Ob nicht der Winter auch zu hören sei;
Der aber bleibt, wie stumm, zur Seite stehen;
Da winkt der Herr den Zögernden herbei.

"Was schweigst du, Winter? Bist du im Gemüte
So kalt und frostig wie dein Schneegewand,
Dass dich der fromme Eifer nicht entglühte,
Den deiner Brüder warmes Herz empfand?"

"Wenn jemals, muss ich jetzt es, Gott, beklagen,
Dass ich der Winter bin, so rau und wild!
Wie könnte ich den Streit mit jenen wagen?
Nicht Frucht, noch Blumen trägt ja mein Gefild."

"Wie könnte ich den Ehren Kranz verlangen?
Er welket mit in meiner kalten Hand!"
"Und dennoch wird des Himmels Sohn empfangen
Zur Winterzeit, wenn Lust und Leben schwand."

"An meiner Brust wird er im Froste liegen,
Mein eis'ger Atem mehren seine Not!"
"Ihn lehrt dies Leid einst größer Leid besiegen,
Der Menschen Undank, bittren Schmerz und Tod."

"Ich kann ihn nicht in sanfter Wiege pflegen,
Nur betten auf die Fluren öd und kahl!"
"Auf Stein muss einst das Haupt zum Schlaf er legen.
Auf hartes Holt zur letzten Todesqual."

"Wohl keine Rosen wird er bei mir finden,
Nur scharfe Dornen an dem dürren Strauch."
"Aus Dornen soll er sich die Krone winden,
Die ihn erhebt nach königlichem Brauch."

"Und keine süßen Früchte kann ich geben,
Mir reift kein Korn, mir quillt kein süßer Wein."
"Der Qual des Hungers wird er widerstreben,
Mit Essig stillen seines Durstes Pein."

"Wenn streng du waltest, wird das Heil geboren,
O Winter, in gebenedeiter Nacht;
Und wurdest du zur Ehrenzeit erkoren,
Verdunkelst du, was stolz die Brüder macht."

"Ein Frühling wird in deinem Frost erblühen,
Dem seine Blumen nie der Sturm verweht,
Von ihren Blüten wird der Himmel glühen,
Wenn selber seiner Sterne Glanz verweht."

"Und eine Rose wird dem Schnee erstrahlen,
Wie keine je das Auge ward gewahr,
Die Dornen schwinden und die finstern Qualen
In ihrem Schimmer rein und wunderbar."

"Der Ähren Gold, der Purpursaft der Trauben,
Sie werden Schatten deiner Frucht nur sein,
Denn reifen wirst du dem beglückten Glauben
Des ew'gen Lebens Brot, der Liebe Wein."

"In deinem Schoße wird die Zukunft sehen
Das Heil der Zeit, den Sohn der Ewigkeit:
Die Palme werden denn dir zugestehen,
Wie freudig! Sommer, Herbst und Frühlingszeit."

— Edmund Dorer

Zu Weihnachten

Und wieder ist der Tag erschienen,
Da uns der Herr geboren ward;
In Liebe andern nur zu dienen,
War seine Lehr' und seine Art;
Und wieder teilet sich die Wolke,
Und Engelchöre licht und her
Verkünden sangesfroh dem Volke.
"Gott in der Höhe sei die Ehr'!"

Löscht aus des Hasses Feuerflammen,
Ihr Brüder: reichet euch die Hand!
Und was noch loht, das tragt zusammen
Zu einem einz'gen Liebesbrand!
Sei vom Katheder und Altare
Das Wort so sanft wie Hauch im Mai,
Dass nach dem Grause langer Jahre
"Auf Erden endlich Friede sei!"

Das weltumfassende Erbarmen,
Oh, gebt's den Spöttern nicht zum Raub,
Wer jetzt nicht will in Lieb' erbarmen,
Der blieb der Engelbotschaft taub!
Gott straft das hasserfüllte Geifern,
Die Zunge, die so gern zerspellt
Des Gegners Ruf, oh, lasst sie eifern:
"Ein Wohlgefallen aller Welt!"

Nur, wenn der Schlachtruf sollte gellen
An unsres deutsches Reiches Mark,
Dann, todesmut'ge Kampfgesellen,
Braucht eure Schwerter treu und stark!
Heut aber fort mit Streitgebärden!
In Lieb' sei jedes Haus bestellt!
"Gott sei die Ehre, Fried' auf Erden
Und Wohlgefallen aller Welt!"

— Gerhard von Amyntor

Tochter Zion, freue dich!

Tochter Zion, freue dich!
Jauchze, laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir!
Ja er kommt, der Friedenfürst.
Tochter Zion, freue dich!
Jauchze, laut, Jerusalem!

Hosianna, Davids Sohn,
Sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ewig' Reich,
Hosianna in der Höh'!
Hosianna, Davids Sohn,
Sei gesegnet deinem Volk!

Hosianna, Davids Sohn,
Sei gegrüßet, König mild!
Ewig steht dein Friedensthron,
Du, des ew'gen Vaters Kind.
Hosianna, Davids Sohn,
Sei gegrüßet, König mild!

— Johann Joachim Eschenburg

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen,
Wie glänzt er festlich, lieb und mild,
Als spräch' er: "Wollt in mir erkennen
Getreuer Hoffnung stilles Bild."

Die Kinder stehen mit hellen Blicken,
Das Auge lacht, es lacht das Herz,
O fröhlich, seliges Entzücken,
Die Alten schauen himmelwärts.

Zwei Engel sind hereingetreten,
Kein Auge hat sie kommen sehn,
Sie gehn zum Weihnachtsbaum und beten
Und wenden wieder sich und gehn.

"Gesegnet seid ihr alten Leute,
Gesegnet sei du kleine Schar !
Wir bringen Gottes Segen heute
Dem braunen wie dem weißen Haar !"

"Zu guten Menschen, die sich lieben,
Schickt uns der Herr als Boten aus,
Und seid ihr treu und fromm geblieben,
Wir treten wieder in dies Haus !"

Kein Ohr hat ihren Spruch vernommen
Unsichtbar jedes Menschen Blick
Sind sie gegangen wie gekommen,
Doch Gottes Segen bleibt zurück.

— Gustav Hermann Kletke

Weihnachtslied

In Todesschatten wallte
Die Welt so unruhbang;
Kein Liebeswort erschallte,
Kein Lebenswort erklang.

Sie gingen im Gewirre
Unfriedlich, kalt und tot,
Und in die dunkle Irre
Schien, ach! Kein Morgenrot.

O Herz, du musst verzagen,
Das einsam harrt und bangt,
Es will das Licht nicht tragen,
Nach dem dich so verlangt!

O Herz du musst verzagen,
In Sehnsucht untergehn,
Es will der Stern nicht schimmern
Herab von Himmelshöhn!

So klang es in der Stille,
So lebt es in der Brust,
Da brach durch blaue Hülle
Hervor die Himmelslust.

Da flammt er ob den Tristen,
Des Heilands Morgenstern,
Da zeugen's alle Schriften.
Es ist der Glanz des Herrn!

Und zu den Himmeln sehen
Sie alle froh empor!
Und: Ehre in den Höhen!
So schallt's im Engelchor.

Der Friede, der verloren,
Er wird euch heut zuteil:
Der Heiland der Erkoren,
Kommt euch zu eurem Heil!

— August Stöber

Die Hirten

Hirten wachen im Feld,
Nacht ist rings auf der Welt,
wach sind die Hirten alleine
im Haine.

Und ein Engel im Licht
grüßt die Hirten und spricht:
"Christ, das Heil aller Frommen,
ist kommen!"

Engel singen umher:
"Gott im Himmel sei Ehr'
und den Menschen hienieden
sei Frieden!"

Eilen die Hirten fort,
eilen zum heiligen Ort,
beten an in den Windlein
das Kindlein.

— Peter Cornelius

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